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Wolle für den Frühling

Beim meMadeMittwoch gibt es dieses Jahr wieder einen Frühlingsjäckchen Knit Along. Und da mein letzter Schal vor gut einer Woche fertig geworden ist und das Häkeltuch auch schon ordentlich vorangekommen ist, wäre jetzt eigentlich der Zeitpunkt um den zu 6/7 fertigen Pullover, an dem ich seit über 2 Jahren arbeite, endlich abzuschließen. Oder ich kann was neues anfangen und eine Frühlingsjacke stricken.

Eine Jacke zum drüberziehen, wenn eine Jersey-Raglan-Shirt alleine noch zu kühl ist, fehlt mir in der Tat noch. Vor allem auf der Arbeit beim stundenlangen still sitzen, wird mir doch öfters kalt. Bei einem dicken Pullover wird mir dann aber oft schnell widerum zu warm, also hätte ich gerne eine offen zu tragend Jacke, die haupsächlich die Arme und den Rücken wärmt und ich am Bauch offen oder geschlossen tragen kann.

Also habe ich mich entschieden, bei meinem ersten Knit Along mitzumachen. Der Zeitplan sieht folgendermaßen aus:

11.02. 2018 – Inspirationsquellen, in Frage kommende Anleitungen und Garne 
18.02.2018  – Projektvorstellung: Wahl des Strickmusters und des Materials, Maschenprobe und Passformüberlegungen 
04.03.2018  – Erster Zwischenstand – Stolz auf den Fortschritt, Schwierigkeiten und Lösungen 
18.03.2018  – Zweiter Zwischenstand – Ermüdungserscheinungen, Passformmängel, die leidigen Ärmel und andere Ärgernisse 
01.04.2018  – Finale: Große Modenschau der fertigen Jäckchen bei hoffentlich wunderbarem Frühlingswetter am Ostersonntag 
06.05.2018 – Finale der Herzen: Für alle diejenigen, denen beim Anblick der vorigen Termine jetzt schon der Schweiß ausbricht. Keine wird mit einem halbfertigen Jäckchen zurückgelassen.

Tja, da bin ich ja jetzt schon hinterher. Aber die Garne sind ja die wichtigste Entscheidung. Und da bin ich tatsächlich schon ziehmlich weit. Ich habe zwei Kandidaten aus meinem Fundus gefunden, die ich beide mit einer Jacke im Kopf gekauft habe. Ich sehe meist eine Wolle und habe dann eine ungefähre Idee, was daraus werden soll: Schal, Tuch, Jacke, Pullover. Dann kaufe ich in etwa die Menge, die wohl vermutlich dafür nötig ist und fange dann zuhause an zu suchen, ob ich eine dazu passenden Anleitung finde. Da wird es dann meistens schwierig.

Dies ist also meine erste Wahl:

Lettische Wolle.

Lettische Wolle.

Eine etwas dickere Wolle, die ich im Dezember in Riga gekauft habe. Erst nur drei Stränge für ein Tuch und dann noch mal drei, da ich mir doch besser eine Jacke daraus vorstellen konnte. Mir schwebt so was Kastiges Schlichtes vor. Am liebesten nur glatt rechts mit unten und an den Kanten Perlmuster. So ungefähr wie dieses Modell aus einem alten Heft der Brigitte kreativ. Welches Heft kann ich nicht sagen, weil ich es nach dem Foto schon wieder verschusselt habe.

Inspiration für die Jacke.

Inspiration für die Jacke.

Die Wolle ist recht dick, damit kommt frau gut voran. Das Probestück war schnell fertig. Nach einigen Versuchen habe ich mich jetzt für Nadelstärke 6 entschieden, das Strickild gefällt mir so ganz gut. Allerdings ist die 100% Wolle-Wolle doch auch richtig kratzig. Aber ich habe schon eine Halstuch aus ebenso kratziger lettischer Wolle und das trage ich gerne und das Kratzen stöhrt mich nicht. Und bei einer Jacke hätte ich ja sowieso noch was drunter.

Strickprobe Kratzewolle.

Strickprobe Kratzewolle.

Ich mag die Farben total gerne und denke wegen dem Farbverlauf wäre jedes Muster zu viel. Da könnte ich es ja vielleicht schaffen im Zeitplan fertig zu werden. Eventuell. Also bis Mai. Dann ist die Jacke wahrscheinlich zu warm, aber ich stricke immer antizyklisch. Das heißt, dass ich immer erst nach der Saison fertig werde, in der das Strickstück eigentlich getragen werden sollte. Aber im Herbst wäre es bestimmt auch praktisch. Und außerdem ist der Sommer in Bremen eh meist wie früher Frühling mit viel Regen woanders.

Ich glaube ich bin schon entschieden. Zur Vollständigkeit hier aber noch mein Alternativprojekt.  Ich habe hier schon eine Weile eine Wolle in steingrau/antrazit von Lana Grossa liegen. Diese Wolle ist gar nicht kratzig, sondern superkuschelig.

Kuschelwolle.

Kuschelwolle.

Allerding fällt sie deutlich weicher (man könnta auch lappiger sagen). Hier habe ich schon eine Muster im Auge: eine Art Cardigan aus der Filati Stricken Ausgabe vom Herbst/Winter 2015/2016. Ja, der Plan reift schon länger. Ich will die Jacke auf jeden Fall stricken, aber so richtig Frühlingsmäßig ist sie ja nicht. Also werde ich mich mit 98%iger Sicherheit für die grau-gelbe Variante entscheiden.

Bis zum nächsten Mal werde ich dann auch entscheiden, ob ich einfach los stricke oder doch noch mal versuche eine Anleitung zu finden, die einigermaßen zu meiner Wolle passt.

Bis dahin verlinke ich diesen Beitrag beim MeMadeMittwoch. Die anderen Ideen und Jacken sind hier zu finden:FJKA 2018.

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Bekennerinenschreiben

Tja, führt ja kein Weg dran vorbei. Es muß ja wohl gesagt werden. Auch Nachrechnen hat nix am Ergebnis geändert.

Ich habe versagt, bin gescheitert und habe mich nicht an die Abmachung gehalten. Stoffdiät war ja wohl nix, gar nix für 2017.

Hier die nackten Zahlen:

  • ich habe insgesamt 117m Stoff gekauft
  • gekostet hat das ganze € 1270,32
  • vernäht habe ich dieses Jahr 62,75m
  • davon sind 20,7m aus dem Vorrat gekommen (33% der vernähten Stoffe lagen hier also schon länger als ein Jahr)
  • 46,37% der Einkäufe dieses Jahres sind nun im Vorrat und haben ihn damit um 54,25m vergrößert

Und hier die verschiedenen Formen der Erkenntnis:

  • sobald ich ein Ultimatum habe, sträubt sich alles in mir sofort dagegen
  • egal ob Schokolade, Stoffe, Tassen oder Wolle: sobald es heißt: gibt es ab jetzt nicht mehr/nur noch reduziert, muss ich gleich los was kaufen oder essen
  • wenn das so weitergeht brauche ich nur noch ca 5 Jahre, bis ich meine Nähmaschine unter den Stoffen nicht mehr finde
  • ich habe wohl ein klein wenig den Überblick verloren
  • irgendwie muß es besser werden in 2018
  • also nachhaltiger, mit keinem weiteren massivem Eintrag von Stoffen – unökologisch! bzw. so funktioniert kein Ökosystem…
  • vielleicht klappt es ja mit all den guten Vorsätzen für 2018…
  • immerhin haben wir heute schon den 11.01.2018 und ich habe noch keinen Stoff gekauft
  • meine Erkenntnis, daß kein Weg um den Stoff-Berg-Abbau herum führt ist schon da, ich muß aber noch was motivierendes in Gefahrensituationen finden (jeder Stoffladen, das Reizwort -Sonderangebote- und der Anblick von Tieren auf Stoffen, oder Streifen, oder Punkten…), vielleicht Disziplin?
  • pffffffff…
  • ich versuche es mal mit Bestechung: für jeden Monat, in dem ich keine Stoffe und keine Wolle kaufe, darf ich mir ein neues Buch kaufen. Auch Hardcover oder direkt in Schottland bestellt
  • oder für ein halbes Jahr ein paar neue Tanzschuhe? Unendliche Möglichkeiten…
  • ich will noch so viel nähen und habe hier noch so viele Stoffe auf dem „nächstes Projekt“-Haufen, dass es mindestens bis 2021 reicht
  • außerdem: auch Meter sind nur Zahlen. Und wie sagt der Barde so schön: Not everything that counts can be counted.
  • Hier also das Motto für 2018: Tomorrows gonna be a better day.

    A Lining. Perhaps silver.

    A Lining. Perhaps silver.

No snow, aber Wolle.

Ich war ja sehr wenig fleissig hier im Blog in den letzten Wochen. Aber ich hatte viel zu tun und noch dazu das Gefühl super viel zu tun zu haben. Keine Zeit für alles was nicht Organisation, Arbeit, Haushalt, Kinderorganisation, Arbeit, Putzen oder gegen das Chaos-an-arbeiten ist. Dabei habe ich vor Weihnachten keinen einzigen Keks gebacken und auch bei weitem nicht so viele Geschenke selbst gemacht, wie in den Jahren zuvor. Vielleicht das Alter? Denn soviel Stress war eigentlich gar nicht wie sonst.

Denn das Kokketiern mit der 50 ist nun keine Beinahe mehr. Ein bischen hat mich das Halbe Jahrhundert ja schon beeindruckt. Auch wenn ich das ungerne zugebe. Aber 50 ist schon eben eine sehr runde Zahl. Mit 30 war ich wirr und im Studium und habe mich nach dem Geburtstag viel freier als vorher gefühlt. Bei meinem 40esten Geburtstag war meine Tochter gerade ein halbes Jahr alt und da hatte ich wirklich anderes zu tun, als mir um Zahlen Gedanken zu machen. Jetzt war mehr Zeit zum Nachdenken und da ich auch schon zu einigen 50. Geburstagsfeiern eingeladen war, habe ich mich sehr schwer damit getan, mir klar zu werden was ich von dem Tag eigentlich erwarte.

Feiern oder weg? Hat beides was für sich. Aber feiern kurz vor Weihnachten, wenn keiner Zeit und Lust auf noch einen Termin hat? Grillparty im Garten geht da einfach nicht. Und dann habe ich mich für weg entschieden. Und nach vielen Überlegungen dann dafür, etwas zu tun, was ich noch nie gemacht habe. Beziehungsweise dorthin zu fliegen, wo ich noch nie war. Meine Traumziele Vancouver oder Hawaii müssen noch warten, bis ich reich werde/diese Oberdepp nicht mehr der Chef der US of A ist.

Aber so bin ich mit meinem Mann und meiner Tochter für 3 Tage nach Riga geflogen (da war ich noch nie und fliegen tue ich auch nicht oft) und habe mir mit ihnen die Stadt im Nebel angesehen. Schnee war leider nicht.

Riga bei Tag.

Riga bei Tag.

Es war wunderschön. Das Hotel lag mitten in der Altstadt und alles war zu Fuß zu erreichen. Dort gab es ein echtes James-Bond-Entree mit Marmorbrücke über Goldfischen zum Fahrstuhl. Bei Mr Bond wären es vermutlich Haie und Papgeien gewesen und hier „nur“ Goldfische und Wellensittich aber ich fand es sehr beeindruckend.

Ausserdem lagen zwei Wollgeschäfte einmal 80m und einmal 140m entfernt. Und der Schokoladen-Laden von Laima (tradionelle lettische Schokoladenmarke) war auch gleich um die Ecke. Die Stadt hat mich beeindruckt und mit ihrem Charme für sich eingenommen. Und die RigaerInnen auch.

Riga at night.

Riga at night.

Und die Wolle. Und der Kaffee.

50 und 2 Tage.

50 und 2 Tage.

Aber vor allem die Wolle und die wunderschönen gestrickten Handschuhe. Ich bin vor lauter kucken gar nicht dazu gekommen, einmal eine Wand mit den verschiedenen Modellen zu fotografieren. Aber besonders beeindruckt war ich von der Auswahl bei Tines und Sena Klets . Ich habe mir natürlich ein paar Handschuhe gekauft und dann natürlich ein dickes Buch mit Fotos und Strickanleitungen. Und Wolle. Viel Wolle. In grau/gelb und rosa und lila und rot und rosagraulila und bunt. Und Schals. In türkis/weiß und rot und lila/grün und in grau/glitzer mit Schneeglöckchenmuster. Das ist so wunderschön und ich brauche bestimmt noch Jahre, um soetwas selber stricken zu können.

Außerdem noch Pfefferkuchen. Sehr lecker. Aber wir waren auch in der Nationaloper und haben uns The Sound of Music auf lettisch angesehen und im Lettischen Nationalen Kunstmuseum um dort die Bilder anzusehen. Dabei waren schon das Gebäude und die Wände beeindruckend.

Lettisches Nationales Kunstmuseum.

Lettisches Nationales Kunstmuseum mit Touristen.

Ich hoffe ich komme dort noch einmal hin. Villeicht im Sommer. Dann muß es da wunderschön grün sein mit den vielen Parks und Grünanlagen in der Stadt. Und dann habe ich auch mehr Platz für Wolle. Diese konnte ich leider nicht mehr mitnehmen…

Wolle. Überall Wolle.

Wolle. Überall Wolle.

Daher jetzt gar kein Rückblick auf 2017 und auch kein Ausblick auf 2018. Da wird es um die Reduktion des Stoffvorates gehen. Ein bischen ist da schon passiert. Damit hier zumindest der Beginn von 2018. Tiere und mein Lieblingsmodell von 2017: Ottobre Raglan Shirt. Hier mit FBA.

Einhörner. Es ist so 2017.

Einhörner. Es ist so 2017.

Tja, ist wirklich nah dran. Erst die Wahl. Dann meine eigene Unfähigkeit, den Hass aus meinem Herzen zu kriegen. Ich bin so sauer über alle, die die Rechten gewählt haben. Und dann gab es auch noch ein Einruch im Büro und einen Tag später wurde meinem Liebesten das Fahrrad geklaut. Das Gute. Mit ZWEI Schlössern angeschlossene. Tagsüber.

Das finde ich einfach so gemein. Das erste Rad, das ihm mal groß genug war. Schöner Schiet. Ich wünsche den Dieben alles Miese an den Hals und ärgere mich darüber, dass sie es auch noch schaffen so viel Wut in mir zu generieren. Am meisten aber wünsche ich mir, dass sie mal in Therapie sind und dann den Auftrag bekommen, sich bei allen persöhnlich zu entschuldigen, denen sie was geklaut  haben. So richtig entschuldigen, von Angesicht zu Angesicht und sich dann die Geschichten anhören, wie die Leute ohne ihre Fahrräder klar kommen. Grrrrrrrrr.

Tja, aber die Heizung ist nicht kaputt, wonach es erst aussah. Mein Strickschaf kommt super voran (nur noch 1,5 Arme und dann zusammensetzen). Das Kinderfahrad konnte ich gut selber reparieren und ganz viel Leute haben die AFD nicht gewählt. Mal sehen, ob ich das mit dem Blick auf die positiven Dinge insgesamt besser hinkriege. Harte Arbeit für mich zur Zeit.

Aber wie heißt es so schön: grün ist die Hoffnung und daher jetzt:

Es grünt so grün.

Es grünt so grün.

Schlechte Haltung, schlechter Hintergund, schlechter Gesichtdsausdruck. Aber das Shirt ist ein Gewinner. Wieder nach meinem angepassten Standartschnitt aus der Ottobre. Genäht in Größe 46. Superbequem und der Palmenstoff ist auch richtig super. War ein Sonderangebot bei Kraftstoff. Vielleicht ist das ja auch schon ein Statement mit der Farbe.

Grün mit Sonne.

Grün mit Sonne.

Einhörner, Halloween-Kostüme, Schaf gibt es demnächst. Hier nur noch ein Blick in den Vorgarten. Ich sach nur: November…

OMG. We are all going to die.

OMG. We are all going to die.

 

Vor der Wahl

Mann ist das anstrengend. Dieses mal bin ich ziemlich intensiv in den Wahlkampf eingetaucht. Und das erste Mal auch öffentlich. An so einem Wahlkampfstand zu stehen ist ein bisschen wie ein Coming out. Ich steh hier für diese Partei und damit bin ich dann wirklich auch gleich für alles verantwortlich. Dabei habe ich gar keine Verantwortung, nur eine Meinung. Ich muß Rede und Antwort stehen und Antworten haben und vor allem zuhören können. Und ganz schnell ist nix mehr privat.

Aber es bewegt auch viel in mir. Ich führe die Gespräche ja. Und ich erinnere mich an viele Gesichter und viele Sätze und viele Möglichkeiten miteinander umzugehen. Ich habe nicht mehr so viel Angst mich sichtbar draußen hinzustellen mit sowas persöhnlichem, wie einer politischen Meinung. Ich muß aber noch an meiner Wut-wieder-loswerden-Strategie arbeiten. „Ihr solltet euch was schähmen!“ und dann schnell die Flucht ergreifen bei der Nachfrage „Warum?“ lässt mich eher ratlos zurück. Auch die Aussage, dass man in Bayern die Grünen ja nicht wählen könne, finde ich jetzt nicht ganz so einleuchtend.

Aber die 96jährige Dame die von ihrer Arbeit in der Gewerkschaftkantine in Bonn erzählte, das lange Gespräch mit einer Transsexuellen zu dem früheren Umgang der Grünen mit sexualisierter Gewalt, der Mann im Anzug, der mich am Stand angeschriehen hat und mir erzählen wollten, was ich als Frau auch wie sehen müsse und alle diejenigen, die sich die Zeit genommen haben, mir zu erklären, warum sie die Grünen nicht mehr wählen: ich werde mich an alle erinnern. Ich bin dankbar für viele dieser Gespräche und wütend über manche. Das waren aber nicht so sehr die Gespräche als mehr die Monologe ohne den Wunsch nach Austausch. Über die Gespräche denke ich immer noch nach, stelle für mich Positionen in Frage und werde mir auch sicherer in meinem Empfinden.

Morgen noch mal. Dann brauche ich eine Pause. Ich will nicht dauernd ganz so öffentlich sein. Wobei die Haupterkenntnis eine ganz altbekannte ist: wenn ich mich öffne, tut das meist auch die Person gegenüber. Oft mit ganz erstaunlichen Ergebnissen. Wenn die andere Person sich nicht öffnet, fühlt sich das sehr nackich an. Aber so what: mach dein Ding, steh dazu, heul nicht rum wenn andere lachen…

Aber erst mal will ich nun ein, nein zwei neue Shirts. Motto: I am on the side with love…

Steh dazu...

Steh dazu…

Und eins in grün mit Palmen auch in grün. Ist auch irgendwie so ein Statement-Ding mit 70er-Tapete-Einschlag. Vielleicht schon übermorgen fertig. Und bis dahin überlege ich noch mal ob ich meine letzten Nähergebnisse poste. Ich bin zwar sehr zufrieden damit, ich habe noch dem 7. Modell auch die Verarbeitung und Passform gut optimiert. Aber es sind halt Unterhosen, Schlüpper, Unnerbuxen. Das ist dann vieleicht auch etwas zu persöhnlich/nah dran.

Für diejenigen, die was gutes über den Wahlkampf lesen möchten kann ich nur das hier empfehlen:  Arbergen! 

Gut das wir sie haben, sie nervt und immer gewinnen die Falschen und nur Typen und alles geht viel zu langsam. Aber: das ist Demokratie, langweilig wird sie nie. Bitte geht eine demokratische Partei wählen. Please.

 

Warten auf den Sommer

Irgendwie habe ich das Gefühl, das ich immer noch auf den Sommer warte. Dabei musste ich heute früh zum Zähneputzen schon das Licht anschalten. Das ist ein Zeichen, dass es mit dem Sommer zuende geht. Also habe ich ihn wohl verpasst oder die paar Stunden übersehen.

Das war vorgestern und gestern war dann Sommer: Sonne, leichter Wind und T-Shirt-Wetter beim CSD in Bremen. Es war perfekt! Zu warm für mein neues Shirt, aber das war egal.

CSD in Bremen

CSD in Bremen

Das Outfit ist ja genau für diesen Tag gemacht worden. Und es war wunderbar wirklich tausende von Leuten in Regenbogen-Farben zu sehen, die sich einfach freuten gemeinsam auf die Strasse zu gehen. Das letzte Mal ist zu lange her. Aber ich hoffe mal, dass der Erfolg gestern eine weitere Demo im nächsten Jahr wahrscheinlich macht. Denn es war eine Demo. Für Diversität. Für Gemeinsamkeit. Und für mich das wichtigste: sichtbar zu sein und dabei. Mein Lieblingsspruch von der Demo:

CSDstattAFD

CSDstattAFD

Ist vielleicht nicht wahnsinnig originell, aber einprägsam. In diesem Sinne jetzt nix zu meiner Stoffstatistik (uiuiuiii), meinen neuen Projekten, dem 3. Aufschlag für einen Lace-Schal oder eine Hohelied auf die Overlockmaschine. Auf die Straße…

On my way to

On my way to

Statistik

Tja, einer der Gründe warum es etwas dünn bei den Blog-Posts ist: ich habe mir ja eine Stoffstatistik für diese Jahr vorgenommen. Was kommt rein, was wird vernäht und geht damit raus (aus dem Vorrat) und als Effekt: hoffentlich kommt es insgesamt zu einem Abbau der Vorräte. Pffffff. Hände-in-die-Luft-werfen und hysterisches Gekicher. Ich fürchte dieses Ziel wurde mit der Aufnahme einer Statistik nicht erreicht. Ich habe das Gefühl der Eintrag ist gänzlich unkontrolliert explodiert. Dabei sollte es doch weniger werden. Ich nähe zwar wie eine Wilde, aber der Einkauf übertrifft das locker. Dabei bin ich doch Ökologin (in einem früheren Leben gewesen) und weiss, das mehr Eintrag als Austrag kein nachhaltiges System ist. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich hier aus den Stoff-Vorräten Erdöl bildet, weil der Druck dafür nicht reicht. Aber Humus ist möglich, denn es gibt Schichten.

Jetzt aber kein rumgerede und verzögern mehr: ich habe in diesem Jahr schon 55,1 m Stoff gekauft. Es ist mir schon ziemlich peinlich. Daher sieht es in meinem Nähzimmer zur Zeit auch teilweise so aus:

Stapelbildung.

Stapelbildung.

Ich habe allerdings auch schon 22,7 m Stoff vernäht: 1 Kinderfaschingskostüm, 1 T-Shirt und 2 Pullover für meine Tochter, 1 T-Shirt für den Gatten und für mich 3 Raglanshirts, 2 Sweatheart-Tops mit kurzen Ärmeln, eines mit langem Ärmel, eine Jogginghose,  3 verschiedene Pullover, einen Rock und ein Ophelia-Shirt. Ausserdem noch diverse Schlüsselbänder, eine Baybhandtuch und eine kleine Tasche für Babyutensilien.  Aber von einem Abbau der Vorräte kann keine Rede sein.

Es ist der Konsumrausch, das Gefühl: diesen Stoff finde ich nie wieder und den anderen kriege ich nie wieder so günstig. Und das Potential. Viele Stoffe finde ich einfach nur schön, oder besonders, oder ich liebe die Farben oder das Muster. Aber bei jeden Stoff geht es auch immer um die Pläne, das Potential. (Ich höre da immer den inneren Remington Steel: Think of the possibilities…Prägende Szene meiner Jugend ab 33: 49). Oder wie Bowie in Absolute Beginners sagte: Wir verkaufen keine Dinge, wir verkaufen Träume. Und das ist es oft: ich stelle mir abgefahrene Kleider, supergemütliche Pullover und wunderschöne Klamotten vor, die alle perfekt aussehen. Das ist das Potential. In der Realität stelle ich dann fest, dass es nie ganz so perfekt wird, ich wieder auf einen Modetrend reingefallen bin, der an einer Frau  mit dickem Hintern und Größe 42-48 auch mit 100 Anpassungen nicht anzupassen ist oder ich dann einfach ein wunderschönes Kleid habe, mit dem frau aber leider nicht Fahrrad fahren kann (ohne beim Absteigen von selbigen zu fallen).

Das ist natürlich ein Kapitalismus-Grund-System: immer schön kaufen. Und ich bin definitiv nicht frei davon. Stoffe habe ich genug, das weiss ich. Aber Träume und Potential: davon kann ich nicht genug bekommen. Es bleibt ein ständiger Kampf zwischen der Realisierung von Träumen, Praktikabilität und der Erkenntnis, dass ich zuviel habe.

Humus.

Humus, vor sich hin reifend.

Aber langsam bis mittelschnell steigt der Anteil der selbstgenähten Klamotten, die ich trage. Es muss nicht alles nur selbst genäht sein, aber ich habe keine Lust auf schlecht sitzende Mode in trüben Farben, die nur von unterbezahlten Frauen in Bangladesh hergestellt worden sein kann. Ich weiß wie lange ein T-Shirt dauert. Und das ist nicht für EUR 4,50 zu machen. Und es dann gleich nach dem Tragen wieder wezuschmeißen ist eine Sauerei. Bei selbst gemachten Sachen dauert alles immer lange. Diese Sachen zu verschenken oder selber zu benutzen bedeutet für mich Wertschätzung: für die Beschenkten, für die Dinge, die eben ihre Zeit brauchen. Das sind bewußte Entscheidungen, nicht immer effektiv sein zu wollen und zu müssen.

Ja, das ist politsch. Hier auf meinem Blog geht es ums selber machen. Aber nicht nur weil es schöner ist. Sondern weil es ein Akt der Selbstbestimmung ist: wie will ich aussehen? Anders als es für eine dicke fast 50-jährige vorgesehen ist? Oder nur nachmachen, was „die Mode“ vorgibt? Ich glaube, ich will weiter spielen, mich ausprobieren und nicht auf irgendwas festlegen lassen. Und das ist auch politisch.

Und dann geht es für mich auch um Unabhängigkeit: ich kann das selber. Finde ich für mich ganz wichtig. Ich kann mein Fahrrad reparieren, Pflanzen pflegen, Klamotten nähen, die Buchhaltung machen, einen Wissenschaftlichen Text verstehen oder schreiben, mit der Axt umgehen, der Häkelnadel und der Bohrmaschine, Lace-Schals stricken (bei Socken übe ich noch), backen, putzen, eine Steuerprüfung vorbereiten und begleiten und die Küche putzen sowie tausend andere Dinge. Und nichts davon ist weniger oder mehr wert oder wertlos. Oder irgendwie lächerlich, weil es ja nur eine Frauenbeschäftigung ist. Selber machen können macht mich unabhängig. Und auch das ist politisch. Weil: ich kann es selber. Ich muß nicht jemanden schlecht bezahlen, damit er oder sie es macht.

Ich habe viel über den Post von Frau Jule nachgedacht. Und denke schon, dass es auf meinem Blog auch um politische Fragen geht. Weil es um mich geht und ich mache viele Dinge, nicht nur Topflappen (siehe oben). Und vor allem geht es mir auch um Sichtbarkeit. Ich habe das Gefühl, ich komme da draußen in der Welt nicht wirklich vor. Aber hier bin ich da. Und mal ist mir Wolle wichtiger, mal muß ich mich über Gender-Farb-Zuordnungen aufregen und dann wieder geht es um ganz was anderes. Aber ich will eben auch vorkommen: Frau, chronisch krank, nerdig, dick, nicht mehr jung, Musik-verrückt, nicht konventionell schön, Bollywood-Fan, unsportliche Tanzbegeisterte, sesshaft, Nematodenspezialistin, frickelige Buchhalterin, Sammlerin, Mutter, verheiratet, nicht nur hetero , Bücher-liebend und Schoko-abhängig. Und wenn ich da draußen sonst nicht vorkomme, muß ich eben selber raus. Und das ist auch politisch.

Mir geht es hier auch eher um Sichtbarkeit für mich. Keine Ahnung, ob oder was hier andere interessiert. Das ist für mich nicht entscheidend beim Schreiben. Keiner muß das hier lesen. Wenn ich so wütend über die Wahl eines amerikanischen Präsidenten werde, dass ich schon Selbstgespräche führe, dann hat das hier aber definitiv einen Platz. Sehr schön auf den Punkte gebracht von John Oliver: this is not normal. Und ich muss es mir auch immer wieder sagen: das ist nicht normal. Ich will mich an bestimmte Dinge und Aussagen nicht gewöhnen.

Aber ich will auch nicht, dass diesen Deppen in den USA, der Türkei, Syrien oder gar nicht so weit weg die Jungen Alternativen Identitären Idioten (oder wie auch immer die heißen) hier in Bremen (Grusel und würg) alle meine Energie absorbieren. Ich will immer wieder sagen: nein, für mich sprecht ihr nicht und euere Zukunft will ich nicht. Ich kann mir nähmlich eine bessere und buntere vorstellen. Aber gerade in diesen Zeiten und diesen Zuständen, von denen ich nicht erwartet hätte, mich wieder in ihnen bewegen und damit auseindersetzen müsste, ist bunt und Glitzer vielleicht auch ein echtes Statement. Dazu ein perfekter Post von Oonabaloona.

Und daher nun: Glitzer!

Golden Years...

Golden Years…Seufz.

Zusammenfassend kann ich nur sagen: ist vielleicht alles etwas wirr geworden. Aber ich bin echt zu alt, um mich mit irrer Anstrengung zu kompartimentieren. Weder nur Stoffe, noch nur Regt-mich-auf. Mich gibt es als Gesamtpaket. Und eine neue rosa Mütze stricke ich mir auch. Und trage sie auch im Frühling.